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2026
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Liquid Democracy e. V.

Spätiparlament

Neue Wege demokratischer Beteiligung für junge Menschen, die von der Politik bisher kaum erreicht werden.

Demokratische Beteiligung lebt davon, dass Menschen ihre Erfahrungen und Perspektiven einbringen. Doch viele junge Menschen fühlen sich von politischen Prozessen kaum erreicht. Diese finden häufig an Orten statt, mit denen sie im Alltag wenig Berührungspunkte haben. Gleichzeitig interessieren sich viele für Themen in ihrem unmittelbaren Umfeld und möchten ihren Kiez aktiv mitgestalten.

Das Projekt „Spätiparlament“ greift dieses Spannungsfeld auf und erprobt neue Wege demokratischer Beteiligung an Orten des Alltags, etwa in Spätis, die in vielen Berliner Kiezen wichtige Treffpunkte sind. Ziel ist es, demokratische Beteiligung zugänglicher zu machen und neue Gruppen für politische Prozesse zu gewinnen.

Viele junge Menschen fühlen sich von Politik nicht vertreten oder haben Zweifel daran, dass ihre Stimme etwas bewirken kann. Wie eine befragte Person es formulierte: „Man hat das Gefühl, nicht gehört zu werden. Viele interessieren sich für Politik, wissen aber nicht, wie sie sich konkret einbringen können.“ Eine Studie der Bertelsmann Stiftung von Februar 2024 zeigt, dass 33 % der 18- bis 30-Jährigen in Deutschland kein Vertrauen in die Demokratie und 45 % kein Vertrauen in das Parlament haben. Gleichzeitig sehen sich viele mit konkreten Problemen in ihrem Umfeld konfrontiert. Dazu gehören beispielsweise steigende Mieten, mangelnder Wohnraum, Vermüllung im Kiez oder der Rückgang sogenannter „Dritter Räume”, also frei zugänglicher Orte der Begegnung. In der Fokusgruppe brachte eine junge Person es auf den Punkt „Wo gibt es eigentlich noch Orte, an denen man einfach sein kann – ohne einen Latte für 5€ kaufen zu müssen?“
In Großstädten wie Berlin gibt es zwar viele gemeinnützige Vereine und ehrenamtlich Engagierte, die direktdemokratische Beteiligungsmöglichkeiten anbieten sowie Initiativen starten. Der Kontakt zu jungen Menschen ist jedoch häufig gering, insbesondere zu denjenigen, die der Demokratie skeptisch gegenüberstehen. Dadurch wissen viele junge Menschen nicht, welche Initiativen es gibt oder welche direktdemokratischen Beteiligungsmöglichkeiten ihnen offenstehen.

Das Spätiparlament möchte diese Lücke schließen. Das Projekt bringt direktdemokratische Initiativen und zivilgesellschaftlich Engagierte mit jungen Menschen zusammen, die bisher wenig Kontakt zu solchen Angeboten hatten.
In Spätis und über digitale Formate können junge Menschen Themen aus ihrem Alltag einbringen, diskutieren und gemeinsam priorisieren. Dabei verbindet das Projekt Austausch mit Bildungs- und Aufklärungsangeboten zu Beteiligungsmöglichkeiten und stärkt so die politische Selbstwirksamkeit junger Menschen.
Darüber hinaus erprobt das Projekt neue Wege, wie bestehende und zukünftige Initiativen diese Themen gemeinsam mit jungen Menschen aufgreifen und weiterverfolgen können. So entsteht eine Verbindung zwischen lokalen Anliegen aus dem Kiez und den Menschen, die sich bereits politisch für Veränderungen einsetzen.

Im Projekt werden verschiedene Beteiligungsformate entwickelt und erprobt, die demokratische Mitbestimmung an Orten des Alltags ermöglichen sollen.
Bis 2028 werden diese Formate in unterschiedlichen Berliner Kiezen getestet und weiterentwickelt. Erste Gespräche mit jungen Menschen zeigen bereits, wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist: Viele wünschen sich Möglichkeiten, eigene Erfahrungen einzubringen und zu erleben, dass ihre Perspektiven ernst genommen werden. Das Spätiparlament schafft dafür neue Räume für niedrigschwellige Beteiligung und stärkt den Austausch zwischen Initiativen, Engagierten und demokratieskeptischen Zielgruppen, insbesondere Jugendlichen und jungen Erwachsenen. So trägt das Projekt dazu bei, junge Menschen frühzeitig in demokratische Prozesse einzubinden und ihre Perspektiven für die Zukunft unserer Demokratie sichtbar zu machen.

Das Projekt wird seit April 2025 im Rahmen des Bundesprogramms ,,Demokratie leben!'' (Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend) gefördert.

Mehr erfahren über das Projekt Spätiparlament erfahren unter: https://spaetiparlament.org/