Daniela Schadt ist die neue Schirmherrin der Berliner Stiftungswoche.

„Auch aus den Erfahrungen anderer lernen“ - Im Gespräch mit Daniela Schadt

2010 war Altbundespräsident Richard von Weizsäcker Schirmherr der ersten Berliner Stiftungswoche. Ihm folgte von 2011 bis 2017 Christina Rau. Mit der 9. Berliner Stiftungswoche übernimmt Daniela Schadt diese Aufgabe. ExtraBlatt traf sich zum Gespräch über Chancen, Kooperationen und Neugier

 

Frau Schadt, Sie waren fünf Jahre lang die Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung. Welche Momente sind besonders in Erinnerung geblieben?

Ganz klar: Es waren die persönlichen Begegnungen. Ich habe in den fünf Jahren sehr viele engagierte Menschen kennenlernen dürfen. Und, was mich auch ganz besonders gefreut hat, viele Kinder und Jugendliche habe ich mehrfach getroffen, zum Beispiel bei den Futour-Sommercamps der DKJS. So konnte ich auch miterleben, welche Entwicklung sie in den Jahren gemacht haben und welche Stärken sie ausbauen konnten. Ein Jugendlicher ist mir besonders in Erinnerung geblieben, mit dem ich bei seinem ersten Camp ein Bewerbungsgespräch geübt habe. Und ein paar Jahre später ist er mir wieder begegnet – als selbstbewusster junger Mann mit einem festen Ausbildungsplatz.

Was meinen Sie mit „Stärken ausbauen“?

Bei Kindern und Jugendlichen aus einem schwierigen Umfeld kommt es oft darauf an, sie auf ihre eigenen Stärken hinzuweisen. Das hat mich persönlich berührt: In vielen Fällen ist das Elternhaus nicht in der Lage, die Stärken ihrer Kinder zu entdecken und diese auszubauen. Stattdessen wird häufig nur auf vermeintliche Defizite geschaut. Den Familien in schwierigsten sozialen Verhältnissen fehlt oft die Energie, sich intensiv mit ihren Kindern zu beschäftigen. Ich bin froh, dass neben den Schulen und zuständigen Ämtern, auch viele Stiftungen diese Themen als Aufgabe erkannt haben. Denn eine Gesellschaft lebt nicht nur davon, dass sich die staatlichen Stellen um die wichtigen Aufgaben kümmern. Eine Gesellschaft lebt auch vom Verantwortungsgefühl der Menschen, die sich direkt für andere einsetzen.

Das alles hat viel mit den Startchancen im Leben zu tun. Wie lassen sich diese Chancen fördern?

Wenn wir in unserer heutigen Gesellschaft mehr Chancengerechtigkeit für Kinder und Jugendliche wollen, dann müssen alle wichtigen Bereiche zusammenarbeiten. Wir delegieren häufig nur die Verantwortung und berufen uns auf mangelnde Zuständigkeiten. Doch stattdessen sollten wir die  wertvolle Energie und Tatkraft von Ehren- und Hauptamtlichen nutzen, wie dies viele Stiftungen vormachen.

In die fünf Jahren an der Seite von Joachim Gauck im Schloss Bellevue fiel auch die Phase, als eine hohe Zahl von Flüchtlingen nach Deutschland gekommen sind und sich viele Menschen ehrenamtlich engagiert haben. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Ohne das breite ehrenamtliche Engagement vieler Menschen wäre diese Aufgabe nicht zu leisten gewesen. Noch heute zolle ich den Menschen, die sich beispielsweise in den Erstaufnahmeeinrichtungen unermüdlich für die Flüchtlingsfamilien eingesetzt haben, meinen Respekt vor den vielen, vielen Stunden ihrer Arbeit. Die staatlichen Stellen waren vor so große Aufgaben gestellt, dass es ein Glücksfall war, dass so viele Stiftungen und sonstige gemeinnützige Organisationen sehr schnell und vor allem unbürokratisch vor Ort helfen konnten; beim Essen verteilen, bei Sprachkursen oder in der Hausaufgabenhilfe. Wir haben eine starke Zivilgesellschaft in Deutschland. Darüber kann man nur froh sein, denn sie bringt Menschen zusammen. Und das zivilgesellschaftliche Engagement funktioniert in zwei Richtungen: Es stärkt die Menschen, die Unterstützung bekommen. Aber auch diejenigen, die sich einsetzen, bekommen etwas zurück.

Menschen zusammenzubringen, sie miteinander ins Gespräch zu bringen – das sind auch Ziele der Berliner Stiftungswoche…

Das war ein Grund, warum ich gerne zugesagt habe, die Schirmherrschaft für die Berliner Stiftungswoche zu übernehmen. Auszuloten, wo Stiftungen kooperieren können, und gemeinsam Projekte umzusetzen, die einer alleine nicht leisten könnte – darin liegt für mich auch ein echter Mehrwert der Stiftungswoche. Wenn die Stiftungswoche stattfindet, begegnen sich große und kleine Stiftungen. So lernt man sich kennen, es entsteht ein Austausch und gemeinsam können Ideen entwickelt werden. Übrigens: Besonders spannend  ist es, wenn sich Stiftungen mit verschiedenen Schwerpunkten zu einem Projekt zusammenfinden und themenübergreifend zusammengearbeitet wird; etwa in den Bereichen Sport und Integration von Migranten oder Kultur und Förderung frühkindlicher Entwicklung.

Also die klassischen Synergieeffekte nutzen…

Ja, oder anders ausgedrückt: Die eine Stiftung hat vielleicht die gute Idee, die andere Stiftung verfügt über die personellen oder finanziellen Mittel. Darin liegt meines Erachtens ein großes Potenzial, nicht nur aus den eigenen Erfahrungen, sondern auch aus denen anderer zu lernen. Nicht jeder Fehler muss mehrfach gemacht werden und gute Erkenntnisse dürfen sich gerne weiterverbreiten. Den Austausch von Erfahrungen nennt man im Allgemeinen Lernen. Das gilt übrigens nicht nur für Menschen, das gilt auch für Organisationen.

Im April ist es wieder soweit. Dann warten wieder elf Tage mit einem vollen Programm.

Ja, darauf dürfen wir gespannt sein. Ich freue mich auf die Begegnungen vor Ort und bin schon jetzt neugierig auf die zahlreichen Projekte mitten aus dem Leben.

 

 

Daniela Schadt ist Journalistin. Von März 2012 bis März 2017 hat sie als Lebensgefährtin von Bundespräsident Joachim Gauck zahlreiche Aufgaben im sozialen und karitativen Bereich übernommen. So war sie in der Zeit beispielsweise Schirmherrin der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung (DKJS), von UNICEF und des Müttergenesungswerkes. Gemeinsam mit Joachim Gauck lebt die gebürtige Hanauerin in Berlin.