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Schwerpunktthema 2012

Berliner Stiftungswoche erstmals mit Schwerpunktthema

„Die Rolle von Stiftungen als Förderer, Akteure und Moderatoren gesellschaftlicher Beteiligungsprozesse“

Immer mehr Bürgerinnen und Bürger wollen sich aktiv in den politischen Entscheidungsprozess einbringen. Das breite bürgerschaftliche Engagement, das sich u.a. bei den Auseinandersetzungen um den Bau des Stuttgarter Hauptbahnhofes artikuliert hat, ist sichtbares Zeichen dieser Entwicklung. Die Menschen verspüren zunehmend das Bedürfnis, ihr gesellschaftliches Umfeld mitzugestalten. Auch Stiftungen beschäftigt dieses Thema, sehen sie sich doch als Akteure, die langfristige Lösungen für gesellschaftliche Fragen finden und das Engagement der Bürgerinnen und Bürger für das Gemeinwohl stärken wollen. Sie sind deshalb prädestinierte Plattformen für den Dialog über Mitverantwortung für unser Gemeinwesen.

Aus diesem Grund setzt die Berliner Stiftungswoche vom 17. bis 27. April 2012 zum ersten Mal einen thematischen Schwerpunkt. Unter dem Titel „Die Rolle von Stiftungen als Förderer, Akteure und Moderatoren gesellschaftlicher Beteiligungsprozesse“ zeigen Stiftungen in unterschiedlichen Formaten, wie sie bei ihrer Projektarbeit den Austausch mit Politik und Bürgern suchen, um neue politische Entscheidungsprozesse anzustoßen und mitzugestalten.

Stiftungen verstehen sich als parteipolitisch neutrale Akteure. Sie haben in ihren Reihen Mitarbeiter mit hoher Sachkompetenz und sozialer Motivation. Sie besitzen Erfahrungen als Impulsgeber und als Moderatoren gesellschaftlicher Beteiligungsprozesse. Sie schließen sich zu Fördernetzwerken zusammen, weil sie gemeinsam intensiv Probleme zu bearbeiten. Sie begleiten lokale Bürgerplattformen, unterstützen die Aus- und Weiterbildung maßgeblicher Protagonisten und initiieren Kooperationen kenntnisreicher Bürger, die darauf abzielen, Stadtentwicklung bewusst im Vorfeld von politischen Entscheidungen zu gestalten. Sie bieten eine Anlaufstelle für gesellschaftliche Beteiligung, wie das beispielsweise bei Bürgerstiftungen der Fall ist. Durch ihr vielseitiges Engagement tragen Stiftungen zur Stärkung der Bürgergesellschaft bei. Die Arbeit der Stiftungen kann und soll staatliches Handeln nicht ersetzen. Die Wahrnehmung bürgerschaftlicher Verantwortung hat aber für unsere repräsentative Demokratie eine wachsende Bedeutung.

 

Berliner Stiftungsrunde startet gemeinsames Projekt zum Schwerpunktthema:
Stiftungen ermöglichen Schulbibliotheken in Berlin

Bei der diesjährigen Berliner Stiftungswoche wollen die Stiftungen der Stadt nicht nur über ihre Arbeit reden und sie präsentieren, sondern auch ein praktisches Zeichen setzen. Um ihr Verantwortungsbewusstsein und ihre Leistungsbereitschaft unter Beweis zu stellen, haben sich die Teilnehmer der Berliner Stiftungsrunde als Organisatoren der Stiftungswoche entschlossen, an diesem Schwerpunkt im Laufe des nächsten Jahres mit einem konkreten Projekt zu arbeiten: Stiftungen wollen neue Schulbibliotheken in Berlin ermöglichen. Hier gibt es große strukturelle Defizite. Mindestens ein Drittel der Berliner Schulen besitzt gar keine Bibliothek mehr.

Dabei ist eine Schulbibliothek mehr als nur ein Aufbewahrungsort für Bücher. Eine moderne Schulbibliothek hat vielfältige Aufgaben: in Grundschulen ist sie ein zentraler Ort der Leseförderung, in Oberschulen bietet sie die Chance, moderne IT-gestützte Recherchetechniken zu erlernen. Im besten Fall kann sie ein Treffpunkt zum sozialen Austausch, ein Raum der Meditation oder des konzentrierten Arbeitens sein, an dem beispielsweise durch den Einsatz von Lesepaten auch Jugendliche aus bildungsfernen Milieus an Literatur herangeführt werden werden. Innerhalb eines Jahres soll eine Arbeitsgemeinschaft das Vorhaben konkretisieren. Schulbibliotheken mit Leben zu erfüllen, gelingt nur, wenn Freiwillige mitarbeiten – seien es Eltern, die Schüler oder engagierte Mitbürger.

Das Vorhaben unterstreicht die Rolle von Stiftungen: Ihr Engagement dient der Allgemeinheit. Es verbessert Lebensbedingungen, erhöht die Chancengerechtigkeit und soll staatliches Handeln nicht ersetzen, sondern zu Kooperationen motivieren. Dabei ist nicht die einzelne Schulbibliothek das Ziel, sondern strukturelle Veränderungen. Wichtiger noch als der finanzielle Aspekt ist es, unterschiedliche Akteure zum Zusammenspiel zu bewegen. Voraussetzung für das Gelingen des Projektes ist deshalb die Zusammenarbeit der Stiftungen mit Schulen, Eltern, Schülern, Behörden, Sponsoren und öffentlichen Bibliotheken. Darüber hinaus schaffen die Stiftungen Räume für bürgerschaftliches Engagement.